Leitfaden Weight Cutting – Regelwerks der IFMA / Für alle Trainerinnen und Trainer im MTBD
Leitfaden Weight Cutting im Muay Thai – Verantwortung des Trainers
Regelwerk der IFMA:
aktuelle IFMA-Regelversion 3.0 vom 11. Mai 2026 geprüft. Für eure Trainer ist das beim
Thema Weight Cutting besonders wichtig, denn die IFMA verfolgt ausdrücklich die Linie:
Gewichtskontrolle durch langfristigen Fettverlust – nicht durch kurzfristige
Dehydrierung.
IFMA-Regeln zum Weight Cutting – was Trainer wissen müssen
1. Dehydrierung ist ausdrücklich problematisch
Die IFMA weist ausdrücklich darauf hin, dass Weight Cutting durch Wasser- und
Mineralverlust gefährlich und potenziell lebensbedrohlich sein kann. Die offizielle
Medical Declaration sagt klar, dass IFMA Gewichtskontrolle durch Fettverlust und nicht
durch Wasserverlust unterstützt.
Das bedeutet für Trainer:
Ein Athlet soll nicht durch extremes Schwitzen oder Austrocknen auf sein
Wettkampfgewicht gebracht werden.
2. Urin-Dichte kann kontrolliert werden
Das ist für Trainer besonders wichtig.
Bei Verdacht auf Dehydrierung können IFMA-Ärzte einen Urintest mittels Urin-
Spektrometer durchführen.
Die in der IFMA Medical Declaration genannte Grenze lautet:
Urindichte > 1.030 → keine Wettkampferlaubnis.
Das bedeutet praktisch:
Gewicht gemacht ≠ automatisch startberechtigt.Wenn der Athlet zwar das Gewicht erreicht hat, aber deutlich dehydriert erscheint bzw.
die entsprechende medizinische Kontrolle nicht besteht, kann er nicht antreten.
3. Die 4-Wochen-Regel ist für Trainer extrem wichtig
In der IFMA Medical Declaration gibt es eine Weight-Cut-Control über die letzten vier
Wochen vor dem offiziellen Wiegen.
Dabei wird das zulässige Übergewicht gegenüber der geplanten Gewichtsklasse
stufenweise begrenzt:
Zeitpunkt vor offiziellem Wiegen Max. über Wettkampfgewicht
4 Wochen 8 %
3 Wochen 6 %
2 Wochen 4 %
1 Woche 2 %
offizielles Wiegen Gewichtsklasse
Beispiel: Gewichtsklasse 75 kg
Dann ergibt sich:
4 Wochen vorher:
75 × 1,08 = 81,0 kg
3 Wochen vorher:
75 × 1,06 = 79,5 kg
2 Wochen vorher:
75 × 1,04 = 78,0 kg
1 Woche vorher:
75 × 1,02 = 76,5 kg
Wiegetag:
75,0 kg
Das ist ein sehr guter Maßstab für eure Trainerplanung.
4. Noch wichtiger: Der Trainer unterschreibt mit
Die IFMA Medical Declaration sieht ausdrücklich vor, dass Athlet und Coach die
Gewichtsaufzeichnungen überprüfen bzw. unterschreiben. Die Erklärung machtaußerdem deutlich, dass eine erkannte gefährliche Gewichtsreduktion bzw.
Dehydrierung Konsequenzen bis hin zur Disqualifikation haben kann.
Das ist aus Trainersicht ein entscheidender Punkt:
Der Trainer trägt Verantwortung dafür, wie der Athlet auf das Wettkampfgewicht
gebracht wird.
Es reicht also nicht zu sagen:
„Der Kämpfer wollte unbedingt Gewicht machen.“
5. Außerdem gibt es eine 5-%-Regel beim Pre-Contest-Weigh-In
Die aktuellen IFMA-Regeln sehen zusätzlich einen möglichen Pre-Contest Weigh-In vor.
Wird dabei festgestellt, dass der Athlet 5 % über seiner qualifizierten Gewichtsklasse
liegt oder das Gewicht der nächsthöheren Gewichtsklasse erreicht, kann er
disqualifiziert werden.
Beispiel:
Athlet qualifiziert für 75 kg.
5 % davon:
75 × 1,05 = 78,75 kg
Bei einem entsprechenden Pre-Contest-Weigh-In wäre 78,75 kg oder mehr ein
Disqualifikationsrisiko nach dieser Regel.
6. Jeden Wettkampftag medizinische Kontrolle
Nach den aktuellen Regeln muss der Athlet jeden Wettkampftag vor dem Wiegen von
einem zuständigen Arzt als wettkampftauglich freigegeben werden.
Das ist wichtig, weil es nicht nur darum geht:
„Ist er leicht genug?“
sondern auch:
„Ist er medizinisch in der Lage zu kämpfen?“
7. Nur einmal auf die offizielle Waage
Nach der aktuellen IFMA-Regelung darf der Athlet sich beim offiziellen Wiegen nur
einmal täglich auf der offiziellen Waage präsentieren.Das dort registrierte Gewicht ist endgültig.
Für Trainer bedeutet das:
Nicht darauf verlassen, dass man vor Ort noch mehrere Versuche hat.
8. Mindestens drei Stunden zwischen Wiegen und Wettkampf
Die aktuelle Regel sieht grundsätzlich vor:
Mindestens 3 Stunden zwischen Ende des Competition Weigh-In und Beginn des
Wettkampfs.
Eine Verkürzung kann allerdings durch die zuständigen IFMA-Verantwortlichen nach
Beratung mit der Medical Commission zugelassen werden, wenn dies medizinisch
vertretbar ist.
Das ist für Weight Cutting enorm relevant.
Denn:
3 Stunden Rehydrierungszeit sind etwas völlig anderes als 24 Stunden.
Deshalb sollte man bei der Planung nicht einfach sagen:
„Wir können nach dem Wiegen ja wieder trinken.“
Was bedeutet das für eure Trainer?
Ich würde daraus eine klare Weight-Cut-Regel machen:
4 Wochen vorher
Athlet maximal 8 % über dem Zielgewicht
3 Wochen vorher
maximal 6 %
2 Wochen vorher
maximal 4 %
1 Woche vorher
maximal 2 %
Kampftag
keine aggressive Dehydrierung als Methode, um Gewicht zu erreichen.Und:
Dehydrierungssymptome → medizinische Kontrolle.
Urindichte > 1.030 → keine Wettkampferlaubnis nach der Medical Declaration.
Beispiel für eure Trainer
Ein Kämpfer soll 75 kg kämpfen.
Zeitpunkt Zielbereich | |
4 Wochen | ≤ 81,0 kg |
3 Wochen | ≤ 79,5 kg |
2 Wochen | ≤ 78,0 kg |
1 Woche ≤ 76,5 kg |
Wettkampfwoche möglichst bereits sehr nah an 75 kg
offizielles Wiegen ≤ 75 kg
Das ist die Philosophie, die hinter den IFMA-Vorgaben steht: Der Athlet soll sich über
Wochen an sein Wettkampfgewicht heranarbeiten und nicht am Vorabend versuchen,
mehrere Kilogramm Wasser herauszuschwitzen.
Eine wichtige Einschränkung
Die 4-/3-/2-/1-Wochen-Prozentwerte stammen aus der veröffentlichten IFMA Medical
Declaration, während die aktuell veröffentlichte Rules & Regulations Version 3.0 (Mai
2026) die aktuellen Wiege-, Medical- und 5-%-Pre-Contest-Regeln enthält. Für einen
konkreten IFMA-Wettkampf sollte deshalb zusätzlich immer die event-spezifische
Ausschreibung bzw. die Anweisungen des Technical Delegate berücksichtigt werden.
Die IFMA weist selbst darauf hin, dass der konkrete Wiegeplan über die jeweilige
Veranstaltung kommuniziert wird.
Aktuelle IFMA Rules & Regulations Version 3.0
IFMA Medical Declaration – Weight Cut ControlWeight Cutting gehört im Kampfsport leider vielerorts zur Realität. Ein Athlet steht vor
dem Kampf auf der Waage und möchte in einer niedrigeren Gewichtsklasse antreten.
Dabei wird häufig zwischen echtem Gewichtsverlust und kurzfristigem Verlust von
Körperwasser unterschieden.
Genau hier beginnt die Verantwortung des Trainers.
Denn: Ein leichterer Athlet ist nicht automatisch ein besserer Athlet. Wenn ein
Kämpfer durch Dehydrierung zwar das Gewichtslimit erreicht, dafür aber Kraft,
Reaktionsfähigkeit, Konzentration und Ausdauer verliert, kann der vermeintliche Vorteil
schnell zum erheblichen Nachteil werden.
Ausreichende Flüssigkeitsversorgung ist für eine sichere sportliche Belastung
entscheidend. Intensive Belastung, Hitze und Dehydrierung können die
Leistungsfähigkeit beeinträchtigen und das Risiko hitzebedingter Erkrankungen erhöhen.
1. Wasser ist kein „Ballast“
Trainer sollten verstehen, dass Körpergewicht nicht ausschließlich aus Fett und
Muskulatur besteht.
Das Gewicht eines Athleten verändert sich unter anderem durch:
• Körperwasser
• Glykogen und daran gebundenes Wasser
• Darminhalt
• Nahrungsmenge
• Salzhaushalt
• Muskelmasse
• Körperfett
Eine schnelle Gewichtsabnahme innerhalb weniger Stunden oder Tage ist deshalb
häufig zu einem erheblichen Teil Wasserverlust – und damit Dehydrierung.
Das ist etwas völlig anderes als nachhaltiger Fettverlust.
2. Dehydrierung ist keine Trainingsmethode
Sauna, extreme Hitze, Plastiksuits, übermäßiges Schwitzen, absichtliches
Nichttrinken oder andere aggressive Methoden können das Körpergewicht zwar
kurzfristig reduzieren.
Sie machen den Athleten aber nicht automatisch leistungsfähiger.
Im Gegenteil: Mit zunehmender Dehydrierung können unter anderem
Kreislaufprobleme, Leistungsabfall, Krämpfe, Konzentrationsprobleme und eine
schlechtere Thermoregulation auftreten.
Historisch hat gerade der Kampfsport gezeigt, wie gefährlich extremes Weight Cutting
werden kann. Deshalb wurden beispielsweise im Ringen umfangreiche
Gewichtmanagement-Systeme eingeführt, die schnelle Gewichtsverluste und
gefährliche Dehydrierung verhindern sollen.
3. Die wichtigste Frage des Trainers
Nicht:
„Wie viel können wir noch runterholen?“
Sondern:
„Kann dieser Athlet dieses Gewicht erreichen und dabei gesund und leistungsfähig
bleiben?“
Wenn die Antwort nicht eindeutig „Ja“ lautet, muss die Gewichtsklasse überdacht
werden.
Ein Trainer sollte niemals den Ehrgeiz eines Kämpfers mit seiner gesundheitlichen
Verantwortung verwechseln.
4. Gewichtmachen beginnt nicht am Tag vor dem Kampf
Wenn ein Athlet regelmäßig beispielsweise 5–7 kg über seiner vorgesehenen
Gewichtsklasse liegt, ist das kein Problem der letzten 24 Stunden.
Es ist ein Problem der langfristigen Planung.
Eine vernünftige Vorbereitung bedeutet:
Wochen vor dem Kampf
• Gewicht regelmäßig beobachten
• Gewichtsentwicklung dokumentieren
• Ernährung und Trainingsbelastung sinnvoll abstimmen
• ausreichend trinken• realistische Gewichtsklasse bestimmen
• bei Bedarf Sportarzt oder qualifizierte Ernährungsfachkraft einbeziehen
In der Kampfwoche
• keine hektischen Experimente
• keine drastischen Maßnahmen
• Leistungsfähigkeit beobachten
• Flüssigkeitsversorgung und Regeneration berücksichtigen
Vor dem Wiegen
• keine Maßnahme durchführen, deren Risiken der Trainer nicht sicher beurteilen
kann
• bei deutlichen Krankheitssymptomen oder starker Schwäche: Gewichtmachen
abbrechen und medizinisch beurteilen lassen
5. Der Trainer muss Warnsignale erkennen
Ein Athlet, der unbedingt Gewicht machen möchte, wird möglicherweise versuchen,
Beschwerden herunterzuspielen.
Deshalb muss der Trainer hinschauen.
Warnzeichen können sein:
• ungewöhnliche Schwäche
• Schwindel oder Benommenheit
• Kopfschmerzen
• Verwirrtheit
• starke Müdigkeit
• auffällig trockener Mund
• sehr geringe oder ausbleibende Urinmenge
• ungewöhnlich dunkler Urin
• Muskelkrämpfe
• Herzrasen
• Koordinationsprobleme
• Leistungsabfall• auffällige Stimmungsschwankungen
• Kollaps oder Bewusstseinsstörungen
Bei schweren Symptomen ist das kein Weight-Cutting-Problem mehr, sondern ein
medizinischer Notfall.
6. Niemals „Durchziehen“ um jeden Preis
Ein Satz wie:
„Du hast es bis hierhin geschafft, jetzt musst du durch.“
kann im Weight Cutting gefährlich werden.
Der Trainer muss im Zweifel die Entscheidung treffen können:
„Du trittst nicht in dieser Gewichtsklasse an.“
Das kann sportlich enttäuschend sein. Es kann aber die richtige Entscheidung sein.
Sportverbände und medizinische Leitlinien betonen zunehmend die unabhängige
medizinische Verantwortung und die Notwendigkeit, Athleten vor gesundheitlich
riskantem Druck zu schützen.
7. Besonders wichtig bei Jugendlichen
Bei Kindern und Jugendlichen sollte extremes Weight Cutting grundsätzlich kein
Bestandteil der normalen Trainingskultur sein.
Der Körper befindet sich noch in Entwicklung. Der Fokus sollte auf:
Technik → Athletik → Ernährung → Regeneration → langfristiger Entwicklung
liegen – nicht darauf, möglichst schnell eine bestimmte Zahl auf der Waage zu
erreichen.
Auch häufiges Wiegen und ein übermäßiger Fokus auf Körpergewicht können
problematische Ess- und Körperbildverhalten begünstigen.
8. Gewicht ist eine Information – keine Bewertung des Athleten
Als Trainer sollten wir außerdem darauf achten, wie wir über Gewicht sprechen.
Nicht:
„Du bist zu fett.“
Nicht:
„Du musst endlich leichter werden.“Sondern:
„Welche Gewichtsklasse ermöglicht dir deine beste Leistung und gleichzeitig eine
gesunde Vorbereitung?“
Das ist ein großer Unterschied.
Der Athlet soll lernen, seinen Körper zu verstehen – nicht ihn zu bekämpfen.
9. Die Trainerregel
Kein Kampf ist wichtiger als die Gesundheit des Kämpfers.
Ein guter Trainer bringt seinem Athleten nicht bei, wie viel Leiden er aushalten muss, um
eine Zahl auf der Waage zu erreichen.
Ein guter Trainer sorgt dafür, dass der Athlet stark, leistungsfähig, konzentriert und
gesund auf der Waage und anschließend im Ring steht.
Und manchmal bedeutet professionelles Coaching eben auch:
„Diese Gewichtsklasse ist heute nicht die richtige für dich.“
Das ist keine Schwäche.
Das ist Verantwortung.
Klare Linie als Trainer!
Keine riskante Dehydrierung.
Keine extremen kurzfristigen Gewichtsverluste.
Keine Experimente am Kampftag.
Kein Druck auf den Athleten.
Keine Gewichtsklasse um jeden Preis.
Stattdessen:
Planung – Beobachtung – Kommunikation – Gesundheit – Leistung.
Denn unser Ziel ist nicht, einen Kämpfer auf der Waage zu besiegen.
Unser Ziel ist, ihn bestmöglich vorbereitet in den Ring zu bringen.
Weight Cutting im Muay Thai – Verantwortung des Trainers
Weight Cutting gehört im Kampfsport leider vielerorts zur Realität. Ein Athlet steht vor
dem Kampf auf der Waage und möchte in einer niedrigeren Gewichtsklasse antreten.
Dabei wird häufig zwischen echtem Gewichtsverlust und kurzfristigem Verlust von
Körperwasser unterschieden.
Genau hier beginnt die Verantwortung des Trainers.Denn: Ein leichterer Athlet ist nicht automatisch ein besserer Athlet. Wenn ein Kämpfer
durch Dehydrierung zwar das Gewichtslimit erreicht, dafür aber Kraft,
Reaktionsfähigkeit, Konzentration und Ausdauer verliert, kann der vermeintliche Vorteil
schnell zum erheblichen Nachteil werden.
Ausreichende Flüssigkeitsversorgung ist für eine sichere sportliche Belastung
entscheidend. Intensive Belastung, Hitze und Dehydrierung können die
Leistungsfähigkeit beeinträchtigen und das Risiko hitzebedingter Erkrankungen erhöhen.
1. Wasser ist kein „Ballast“
Trainer sollten verstehen, dass Körpergewicht nicht ausschließlich aus Fett und
Muskulatur besteht.
Das Gewicht eines Athleten verändert sich unter anderem durch:
• Körperwasser
• Glykogen und daran gebundenes Wasser
• Darminhalt
• Nahrungsmenge
• Salzhaushalt
• Muskelmasse
• Körperfett
Eine schnelle Gewichtsabnahme innerhalb weniger Stunden oder Tage ist deshalb
häufig zu einem erheblichen Teil Wasserverlust – und damit Dehydrierung.
Das ist etwas völlig anderes als nachhaltiger Fettverlust.
2. Dehydrierung ist keine Trainingsmethode
Sauna, extreme Hitze, Plastiksuits, übermäßiges Schwitzen, absichtliches Nichttrinken
oder andere aggressive Methoden können das Körpergewicht zwar kurzfristig reduzieren.
Sie machen den Athleten aber nicht automatisch leistungsfähiger.
Im Gegenteil: Mit zunehmender Dehydrierung können unter anderem
Kreislaufprobleme, Leistungsabfall, Krämpfe, Konzentrationsprobleme und eine
schlechtere Thermoregulation auftreten.
Historisch hat gerade der Kampfsport gezeigt, wie gefährlich extremes Weight Cutting
werden kann. Deshalb wurden beispielsweise im Ringen umfangreiche
Gewichtmanagement-Systeme eingeführt, die schnelle Gewichtsverluste und
gefährliche Dehydrierung verhindern sollen.
3. Die wichtigste Frage des Trainers
Nicht:
„Wie viel können wir noch runterholen?“
Sondern:
„Kann dieser Athlet dieses Gewicht erreichen und dabei gesund und leistungsfähig
bleiben?“
Wenn die Antwort nicht eindeutig „Ja“ lautet, muss die Gewichtsklasse überdacht
werden.
Ein Trainer sollte niemals den Ehrgeiz eines Kämpfers mit seiner gesundheitlichen
Verantwortung verwechseln.
4. Gewichtmachen beginnt nicht am Tag vor dem Kampf
Wenn ein Athlet regelmäßig beispielsweise 5–7 kg über seiner vorgesehenen
Gewichtsklasse liegt, ist das kein Problem der letzten 24 Stunden.
Es ist ein Problem der langfristigen Planung.
Eine vernünftige Vorbereitung bedeutet:
Wochen vor dem Kampf
• Gewicht regelmäßig beobachten
• Gewichtsentwicklung dokumentieren
• Ernährung und Trainingsbelastung sinnvoll abstimmen
• ausreichend trinken
• realistische Gewichtsklasse bestimmen
• bei Bedarf Sportarzt oder qualifizierte Ernährungsfachkraft einbeziehen
In der Kampfwoche
• keine hektischen Experimente
• keine drastischen Maßnahmen
• Leistungsfähigkeit beobachten
• Flüssigkeitsversorgung und Regeneration berücksichtigenVor dem Wiegen
• keine Maßnahme durchführen, deren Risiken der Trainer nicht sicher beurteilen
kann
• bei deutlichen Krankheitssymptomen oder starker Schwäche: Gewichtmachen
abbrechen und medizinisch beurteilen lassen
5. Der Trainer muss Warnsignale erkennen
Ein Athlet, der unbedingt Gewicht machen möchte, wird möglicherweise versuchen,
Beschwerden herunterzuspielen.
Deshalb muss der Trainer hinschauen.
Warnzeichen können sein:
• ungewöhnliche Schwäche
• Schwindel oder Benommenheit
• Kopfschmerzen
• Verwirrtheit
• starke Müdigkeit
• auffällig trockener Mund
• sehr geringe oder ausbleibende Urinmenge
• ungewöhnlich dunkler Urin
• Muskelkrämpfe
• Herzrasen
• Koordinationsprobleme
• Leistungsabfall
• auffällige Stimmungsschwankungen
• Kollaps oder Bewusstseinsstörungen
Bei schweren Symptomen ist das kein Weight-Cutting-Problem mehr, sondern ein
medizinischer Notfall.
6. Niemals „Durchziehen“ um jeden Preis
Ein Satz wie:
„Du hast es bis hierhin geschafft, jetzt musst du durch.“
kann im Weight Cutting gefährlich werden.Der Trainer muss im Zweifel die Entscheidung treffen können:
„Du trittst nicht in dieser Gewichtsklasse an.“
Das kann sportlich enttäuschend sein. Es kann aber die richtige Entscheidung sein.
Sportverbände und medizinische Leitlinien betonen zunehmend die unabhängige
medizinische Verantwortung und die Notwendigkeit, Athleten vor gesundheitlich
riskantem Druck zu schützen.
7. Besonders wichtig bei Jugendlichen
Bei Kindern und Jugendlichen sollte extremes Weight Cutting grundsätzlich kein
Bestandteil der normalen Trainingskultur sein.
Der Körper befindet sich noch in Entwicklung. Der Fokus sollte auf:
Technik → Athletik → Ernährung → Regeneration → langfristiger Entwicklung
liegen – nicht darauf, möglichst schnell eine bestimmte Zahl auf der Waage zu
erreichen.
Auch häufiges Wiegen und ein übermäßiger Fokus auf Körpergewicht können
problematische Ess- und Körperbildverhalten begünstigen.
8. Gewicht ist eine Information – keine Bewertung des Athleten
Als Trainer sollten wir außerdem darauf achten, wie wir über Gewicht sprechen.
Nicht:
„Du bist zu fett.“
Nicht:
„Du musst endlich leichter werden.“
Sondern:
„Welche Gewichtsklasse ermöglicht dir deine beste Leistung und gleichzeitig eine
gesunde Vorbereitung?“
Das ist ein großer Unterschied.
Der Athlet soll lernen, seinen Körper zu verstehen – nicht ihn zu bekämpfen.
9. Die Trainerregel
Kein Kampf ist wichtiger als die Gesundheit des Kämpfers.
Ein guter Trainer bringt seinem Athleten nicht bei, wie viel Leiden er aushalten muss, um
eine Zahl auf der Waage zu erreichen.Ein guter Trainer sorgt dafür, dass der Athlet stark, leistungsfähig, konzentriert und
gesund auf der Waage und anschließend im Ring steht.
Und manchmal bedeutet professionelles Coaching eben auch:
„Diese Gewichtsklasse ist heute nicht die richtige für dich.“
Das ist keine Schwäche.
Das ist Verantwortung.
Unsere klare Linie als Trainer
Keine riskante Dehydrierung.
Keine extremen kurzfristigen Gewichtsverluste.
Keine Experimente am Kampftag.
Kein Druck auf den Athleten.
Keine Gewichtsklasse um jeden Preis.
Stattdessen:
Planung – Beobachtung – Kommunikation – Gesundheit – Leistung.
Denn unser Ziel ist nicht, einen Kämpfer auf der Waage zu besiegen.
Unser Ziel ist, ihn bestmöglich vorbereitet in den Ring zu bringen.
Hinweis: Das ist eine Trainer-Orientierung und ersetzt keine individuelle
sportmedizinische oder ernährungsmedizinische Betreuung. Bei größeren
Gewichtsreduktionen oder auffälligen Symptomen sollte ein qualifizierter
Sportmediziner bzw. Sporternährungsfachmann einbezogen werden.
wie berechne ich das richtig?
Wenn du mit „richtig berechnen“ das Weight Cutting meinst, würde ich als Trainer vor
allem zwischen normaler Gewichtsabnahme und akutem Wasserverlust unterscheiden.
1. Grundrechnung
Gewichtsverlust in % = (Ausgangsgewicht − Zielgewicht) ÷ Ausgangsgewicht × 100
Beispiel:
• Ausgangsgewicht: 80 kg
• Zielgewicht: 76 kg
• Differenz: 4 kg
→ 4 ÷ 80 × 100 = 5 % GewichtsverlustDas ist aber noch keine Aussage darüber, ob 5 % für diesen Athleten sicher sind.
Entscheidend ist, wie schnell diese 5 % verloren werden und wie viel davon Wasser ist.
2. Für Trainer besonders wichtig: tägliche Gewichtsschwankung
Ein Athlet mit 80 kg kann beispielsweise morgens 80,0 kg und abends 81,5 kg wiegen.
Das bedeutet nicht, dass er 1,5 kg Fett zugenommen hat. Flüssigkeit, Nahrung und
Darminhalt können das Gewicht kurzfristig erheblich verändern.
Deshalb sollte das Gewicht möglichst immer unter vergleichbaren Bedingungen
dokumentiert werden:
morgens → nach dem Toilettengang → vor Essen und Trinken → gleiche Waage
Dann erhältst du einen brauchbaren Trend.
3. Wasserverlust über Schweiß
Für die Trainingssteuerung kann man den Flüssigkeitsverlust während einer Einheit
näherungsweise berechnen:
Schweißverlust ≈ Gewichtsverlust + getrunkene Flüssigkeit − Urinmenge
Beispiel:
• vor Training: 75,0 kg
• nach Training: 74,2 kg
• getrunken: 0,5 Liter
• Urin: 0 Liter
→ ungefähr 1,3 Liter Flüssigkeitsverlust
Das entspricht etwa 1,7 % des Körpergewichts.
Diese Berechnung ist für Trainer sehr interessant, weil man damit feststellen kann, wie
stark ein Athlet bei verschiedenen Trainingsbedingungen Flüssigkeit verliert.
4. Aber Vorsicht beim eigentlichen Weight Cut
Ich würde keine pauschale Formel wie „maximal X % Wasserverlust sind immer okay“
verwenden. Das Risiko hängt unter anderem von Alter, Körpergröße, Hitze,
Kampfsportart, Zeit zwischen Wiegen und Kampf, Gesundheitszustand und bisherigen
Erfahrungen ab.
Besonders problematisch ist ein großer Wasserverlust, wenn nur wenige Stunden
zwischen Wiegen und Kampf liegen. Der Athlet kann dann möglicherweise nicht
ausreichend rehydrieren.Wenn du möchtest, kann ich dir auch eine komplette Weight-Cut-Berechnung für Trainer
erstellen – z. B. mit 80 kg → 75 kg, einschließlich Körpergewicht %, Wasseranteil,
täglichem Gewichtsverlauf, Schweißrate und einer Trainer-Checkliste.
omplette Weight-Cut-Berechnung für Trainer
Ja. Ich würde es als Trainer-Tool aufbauen – mit einer klaren Trennung zwischen
planbarer Gewichtsreduktion und akutem Wasserverlust. Wichtig: Die Rechnung zeigt,
was passiert; sie legt nicht automatisch fest, wie viel Dehydrierung sicher ist.
Komplette Weight-Cut-Berechnung für Trainer
Beispiel: Athlet 80 kg → Gewichtslimit 75 kg
Ausgangsgewicht: 80,0 kg
Gewichtslimit: 75,0 kg
Differenz: 5,0 kg
Prozentualer Gewichtsverlust:
(80 − 75) ÷ 80 × 100 = 6,25 %
Der Athlet müsste also 6,25 % seines Ausgangsgewichts verlieren.
Das ist bereits eine erhebliche Differenz. Entscheidend ist deshalb: Nicht die 5 kg als
eine einzige Zahl betrachten.
1. Die 5 kg aufteilen
Bestandteil Was bedeutet es?
Körperfett langfristig reduzierbar
Glykogen + gebundenes Wasser verändert sich mit Ernährung/Belastung
Darminhalt kurzfristig schwankend
Körperwasser kurzfristig veränderbar
tatsächliche Muskelmasse sollte möglichst erhalten bleiben
Trainerziel: Den größtmöglichen Teil der Gewichtsreduktion langfristig und kontrolliert
erreichen und den kurzfristigen Wasserverlust möglichst gering halten.
2. Schweißrate bestimmen
Das ist eine der sinnvollsten Messungen, die ein Trainer durchführen kann.Formel
Schweißverlust (Liter) =
Gewicht vor Training − Gewicht nach Training + getrunkene Flüssigkeit − Urin
Beispiel:
• vorher: 80,0 kg
• nachher: 78,8 kg
• getrunken: 0,8 l
• Urin: 0 l
Rechnung:
80,0 − 78,8 + 0,8 = 2,0 Liter
Der Athlet hat während dieser Einheit ungefähr 2 Liter Flüssigkeit verloren.
Bei 90 Minuten Training:
2,0 ÷ 1,5 = 1,33 l/Stunde
→ Schweißrate ungefähr 1,33 l/h.
Das ist wesentlich aussagekräftiger als die Aussage:
„Der verliert beim Training immer ungefähr 2 Kilo.“
3. Gewichtsverlust während des Trainings
Zusätzlich:
Gewichtsverlust % = Gewichtsverlust ÷ Ausgangsgewicht × 100
Im Beispiel:
1,2 kg Gewichtsverlust ÷ 80 kg × 100
= 1,5 %
Damit kann der Trainer dokumentieren, wie stark der Athlet während verschiedener
Trainingseinheiten an Gewicht verliert.
4. Das Weight-Cut-Tagebuch
Ich würde für jeden Wettkämpfer eine einfache Tabelle führen:Datum Morgengewicht Training Gewicht danach Flüssigkeit Schweißrate
Mo 80,0 kg 90 min 78,8 kg 0,8 l 1,33 l/h
Di 79,7 kg 60 min 79,0 kg 0,7 l 1,40 l/h
Mi 79,4 kg 90 min 78,3 kg 0,9 l 1,33 l/h
Damit entsteht ein individuelles Profil des Athleten.
5. Die entscheidende Zahl: Wie viel muss noch runter?
Angenommen:
Aktuelles Morgengewicht: 78,0 kg
Gewichtslimit: 75,0 kg
Dann:
78 − 75 = 3 kg
Prozentual:
3 ÷ 78 × 100 = 3,85 %
Der Athlet liegt also noch 3,85 % über dem Limit.
Jetzt kommt die entscheidende Trainerfrage:
Wie viel davon kann realistisch ohne aggressive kurzfristige Dehydrierung erreicht
werden?
Wenn die Antwort lautet „nur durch massives Schwitzen“, ist die Gewichtsklasse
wahrscheinlich falsch gewählt.
6. Nie nur das Gewicht betrachten
Jeden Tag dokumentieren:
Gewicht
Trainingsleistung
Energie
Konzentration
Schlaf
StimmungFlüssigkeitsversorgung
Urinfarbe/-menge
Muskelkrämpfe
Schwindel/Kopfschmerzen
Denn:
75 kg + völlig erschöpft ≠ erfolgreicher Weight Cut.
Das Ziel ist:
75 kg + leistungsfähiger Athlet.
7. Rehydrierung nach dem Wiegen
Hier sollte man ebenfalls nicht einfach nach dem Motto
„So viel wie möglich trinken.“
arbeiten.
Nach einem deutlichen Flüssigkeitsverlust müssen Flüssigkeit und Elektrolyte wieder
ersetzt werden. Dabei spielen insbesondere Natrium und die Verträglichkeit der
aufgenommenen Flüssigkeit eine Rolle.
Wie viel und wie schnell sinnvoll ist, hängt unter anderem davon ab:
• wie stark der Athlet dehydriert war
• wie viel Zeit bis zum Kampf bleibt
• wie viel Flüssigkeit er verloren hat
• wie gut er Flüssigkeit aufnehmen kann
• welche Wettkampfregeln gelten
Je kürzer die Zeit zwischen Waage und Kampf, desto problematischer wird ein großer
Wasser-Cut.
8. Meine Trainer-Grenze
Eine einfache Grundregel für das Trainerteam:
Grün
Gewicht wird über Wochen kontrolliert reduziert, Athlet bleibt leistungsfähig.Gelb
Gewicht steigt/sinkt stark, Athlet muss zunehmend über Wasserverlust arbeiten oder
zeigt Leistungseinbußen.
→ Gewichtsklasse überprüfen.
Rot
Schwindel, Verwirrtheit, Kollaps, starke Schwäche, Krämpfe, kaum/kein Urin, auffälliger
Kreislauf oder andere deutliche Krankheitssymptome.
→ Weight Cut stoppen. Medizinische Beurteilung.
Kein Kampf ist wichtiger als die Gesundheit des Athleten.
Trainer-Formelsammlung
Gewichtsverlust
Startgewicht − aktuelles Gewicht
Gewichtsverlust %
(Startgewicht − aktuelles Gewicht) ÷ Startgewicht × 100
Noch fehlendes Gewicht
aktuelles Gewicht − Gewichtslimit
Schweißverlust
Gewicht vorher − Gewicht nachher + Getränke − Urin
Schweißrate
Schweißverlust ÷ Trainingsdauer in Stunden
Gewichtsverlust während Training %
Gewichtsverlust ÷ Gewicht vor Training × 100
Beispiel komplett
Athlet: 80 kg
Limit: 75 kg
Gesamtdifferenz: 5 kg
Gesamtdifferenz: 6,25 %
Training:80,0 kg → 78,8 kg
Getrunken: 0,8 l
Urin: 0 l
Trainingsdauer: 90 min
→ Flüssigkeitsverlust: 2,0 l
→ Schweißrate: 1,33 l/h
→ Gewichtsverlust während Training: 1,5 %
Damit hat der Trainer bereits wesentlich bessere Informationen, als wenn er lediglich
weiß: „Der Kämpfer muss 5 kg runter.“
Wichtig:
Gerade aggressive Dehydrierung kann gefährlich sein, und die zulässige bzw. sinnvolle
Gewichtsreduktion sollte von Wettkampfregeln, Zeit bis zum Kampf und individueller
medizinischer Beurteilung abhängen.



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